2015-07-16

Ach Du dicker Hund!
GESUNDHEITSRISIKO ÜBERGEWICHT

Spiegel.de hat es diese Woche zum Thema gemacht: Jeder vierte Hund auf der weltweit größten Hundeshow in Birmingham hat Übergewicht.
Dass Übergewicht - wie beim Menschen auch - nicht so einfach auf die leichte Schulter zu nehmen ist, zeigt die steigende Anzahl von Gesundheitsproblemen bei Hunden wie zum Beispiel Diabetes, Überbeanspruchung des Bewegungsapparates, Schäden an Organen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Krankheiten, die die Lebensqualität, aber auch die Lebenserwartung drastisch einschränken können.
Übergewicht wirkt sich negativ auf die Mobilität aus, jede Bewegung wird anstrengender und erfordert mehr Energie. Die Lust am Spielen und Herumtollen geht verloren, das Tier schläft mehr und ist im wahrsten Sinne des Wortes nur mehr schwer zu etwas zu bewegen.
Übergewicht bei Tieren (abgesehen von Kastration, genetischen Prädispositionen und Alter) entsteht wie bei allen Lebewesen nach dem einfachen Prinzip, dass das Tier mehr Energie aufnimmt, als es tatsächlich (ver)braucht. Doch wie kommt es eigentlich zum Übergewicht bei Hunden?

LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN
Wer kennt das nicht, wenn Vierbeiner einem mit großen Augen hypnotisieren und uns damit mitteilen wollen, dass es eigentlich höchste Zeit für ein Leckerchen oder den nächsten Gang im Futternapf wäre. Hier nein zu sagen und standhaft zu bleiben, fällt klarerweise jedem schwer.
Die Fütterung spielt schon seit jeher eine besonders wichtige Rolle in der Beziehung zwischen Mensch und Tier, denn Liebe geht schließlich durch den Magen. Auch bei Tieren!
Wenn der Hund zu dick ist, liegt es leider auch allzu oft an Herrchen und Frauchen. Es ist die falsch verstandene Tierliebe, die Hundebesitzer dazu verleitet, Ihre Vierbeiner mit einem Zuviel an Energie zu versorgen. Aber auch ein Bewegungsmangel begünstigt Adipositas.
Adipositas bedeutet eine übermäßige Vermehrung und Bindung von Fettgewebe. Als Adipositas wird ein massives Übergewicht von mehr als 20% des Idealgewichtes bezeichnet.

DER KAMPF MIT DEM GEWISSEN
Hundebesitzer tun alles für Ihren Liebling. Dazu gehört natürlich auch bestes Futter.
Was viele Tierfreunde nicht wissen ist, dass hochwertiges Futter oft energiedichter ist als so manches Futter, das man im Supermarkt findet. Dementsprechend variieren die Fütterungsempfehlungen am Etikett. Doch Vorsicht, eine kleine Futtermenge heißt nicht, dass das Tier unterversorgt wird oder gar verhungern muss. Ganz im Gegenteil!
Vor allem bei Trockenfutter sind Hundebesitzer immer wieder dazu verleitet, den Hund mehr zu geben als vorgesehen ist.
Bitte beachten Sie auch, dass die Vorgaben der Industrie nur allgemeine Richtwerte sind und nicht die aktuelle Lebensumstände des Tieres (Bewegung, Alter, …) berücksichtigen.
Das entscheidende Kriterium für die Wahl der richtigen Futtermenge ist immer die Erhaltung des Idealgewichts.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Hund richtig versorgt ist, kann eine professionelle Rationsüberprüfung Abhilfe schaffen.



Ach Du dicker Hund

WIE ERKENNT MAN ÜBERGEWICHT BEIM HUND?
Der grundsätzliche Indikator für Übergewicht sind die Vorgaben des Idealgewichts des Rassestandards. Hier müssen abgesehen vom realen Körpergewicht auch der Körperbau und Haarkleid mit berücksichtig werden.
Gewichtskontrollen sollten regelmäßig durchgeführt werden, denn nur so erkennt man objektiv, wie sich das Gewicht des Hundes verändert.
Es gibt aber auch optische Indikatoren, die auf ein Übergewicht hinweisen und die jeder schnell erkennen kann. Betrachtet man den Körper des Hundes seitlich, sollte eine ansteigende Bauchlinie von Rippenbogen zur Leiste sichtbar sein. Bei übergewichtigen Tieren verläuft die Bauchlinie gerade bis zum Knie, bei stark adipösen Tieren unter Umständen sogar inklusive Fettwamme in abfallender Richtung.
Betrachtet man das Tier von oben, sollte die Taille deutlich sichtbar sein. Bei einem übergewichtigen Hund ist diese nicht mehr zu erkennen.
Fährt man mit der flachen Hand über den Brustkorb, sollte man die Rippen noch spüren können. Bei übergewichtigen Tieren ist der Fettanteil schon so hoch, dass man kaum noch Rippen wahrnehmen kann.

WAS IST ZU TUN?
Übergewicht ist ungesund. Eine Gewichtsabnahme ist daher dringend zu empfehlen. Diese sollte aber stets langsam und kontrolliert erfolgen. Eine zu schnelle Gewichtsabnahme kann den Körper belasten, wenn nicht sogar schaden.
Der Körper muss Schritt für Schritt an das geringere Gewicht gewöhnt werden. Das gelingt jedoch nicht innerhalb von 2 Wochen. Bei einer gesunden Gewichtsreduktion sollte man von einem mehrmonatigen Programm ausgehen - idealerweise unter professioneller Anleitung.
Neben einer Reduktionsdiät ist oft auch eine Futtermittelumstellung (fettarme Fleischsorte, hoher Rohfaseranteil,…) hilfreich. Leckerlis und Kauartikel sollte man bei einer Diät immer genauer unter die Lupe nehmen und zu kalorienärmere Alternativen greifen (Lunge, Geweihe, Kauwurzeln…). In Verbindung mit einem gelenkschonenden Bewegungsprogramm (Schwimmen, langsame Spaziergänge,…) wird sich der Erfolg bald einstellen.


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