2016-10-10

Futterverweigerer

NEIN, MEIN FUTTER FRESS ICH NICHT!

Über Futterverweigerer und ganz besonders tierische Gourmets

Wer denkt, dass es nur unter uns Menschen ganz besonders mäkelige gibt, irrt. Auch bei Hunden kommt es vor, dass das Futter plötzlich verweigert wird oder Suppenkaspar ähnliche Verhaltensweisen gezeigt werden.

Was viele aber nicht wissen ist, dass es meistens einen oder sogar mehrere Gründe hat, warum Hunde nicht mehr fressen wollen.

Zu allererst muss hier abgeklärt werden, ob ein gesundheitliches Problem vorliegt. Ein Besuch beim Tierarzt bringt hier rasch Aufschluss (z.B. Verletzung im Maul, Zahnschmerzen, Verdauung, etc.).

Liegt kein medizinischer Grund vor, gibt es eine Reihe an weiteren Ursachen, warum das Futter abgelehnt wird.
Wir haben einen Überblick zusammengestellt und zeigen Wege aus der futtertechnischen Misere:

➜ Der Hund ist einfach satt.
Wir Menschen neigen dazu, gerne zu füttern. Das ist auch gut so!
Wenn man seinen Hund zu oft und zuviel belohnt (Stichwort: Leckerlis!), stellt sich irgendwann ein natürliches Sättigkeitsgefühl ein und der Hund rümpft über seinem Napf dann die Nase. Warum? Weil Leckerlis einfach toller sind!
Leckerlis sollten jedoch nie eine tägliche Mahlzeit für den Hund ersetzen. Als Richtwert für Leckerlis gilt max. 10% der täglichen Futtermenge.

➜ Zuviel des Guten
Sooft wie möglich das Futter bzw. die Futtersorten zu wechseln, ist eine menschliche Angewohnheit. Denn Mensch denkt, dass Hund beim Futter ebenso viel Abwechslung wie Herrchen und Frauchen braucht. Fakt ist jedoch, dass Hunde grundsätzlich keine Abwechslung beim Futter benötigen. Der sensible Magen-Darm-Trakt kann bei raschem Futterwechsel mit Stress und damit verbundenen Verdauungsproblemen oder wird das Spiel zu weit getrieben, sogar mit Mäkelei reagieren (Warum? Dazu weiter unten!). Es empfiehlt sich, eine sinnvolle und vor allem langsame Abwechslung anzubieten. Sprechen Sie diesbezüglich mit Ihrem Tierernährungsberater über die Erweiterung des Menüplans Ihres Lieblings.

➜ Hormonelle Schwankungen
Ob Läufigkeit oder Scheinträchtigkeit - hormonelle Schwankungen können sich auch auf das Fressverhalten des Hundes auswirken. Sowohl bei Hündinnen wie auch bei Rüden kann diese Phase eine Änderung beim Fressen bewirken. Diese Fressunlust sollte aber nur vorrübergehend sein und normalisiert sich nach einiger Zeit wieder.

➜ Klimatische Veränderungen
Wenn es draußen heiß ist, ist es ganz normal wie auch bei uns Menschen, dass wir weniger essen oder unsere Mahlzeit auf den kühlen Abend verlagern. Das kann auch bei Hunden zutreffen. Gerne wird hier eine Mahlzeit mal ausgelassen, weil dem Hund einfach zu warm ist.

➜ Veränderungen im sozialen Umfeld
Hunde reagieren schnell auf Änderungen im sozialen Umfeld und sind entsprechend ihrer hohen Bindung oft Spiegelbild von uns Menschen. Sind wir sehr gestresst oder besonders emotional (Tod eines Menschen, Umzug, Trennung,...), kann sich das auch auf unseren Hund übertragen. Die Folge: Der Hund erklärt sich solidarisch und fühlt mit. Der tierische Appetit bleibt aus.

➜ Änderung in der Futterzusammensetzung/Futtermethodik
Ein Hund merkt sofort, wenn sich etwas bei seinem Futter geändert hat. Ob es nun die Futtermethodik ist (Umstellung z.B. Trockenfutter auf Barf) oder ob sich direkt etwas in der Futterrezeptur geändert hat - es kann passieren, dass es dem Hund einfach nicht mehr schmeckt oder er mit dem neuen Futter nichts anzufangen weiss.
Auch bei Fertigfutter kann es sein, dass der Hersteller unangekündigt Rezepturen verändert oder die Qualität angepasst wird. Sensible Hunde merken das sofort, und können mit Verweigerung auf das Futter von einem Tag auf den anderen reagieren.

➜ Material des Futternapfs & Napfhygiene
Was viele Hundebesitzer nicht wissen: Hunde reagieren auch auf das Material des Futternapfes. Hat dieses einen seltsamen Eigengeruch (billige Plastiknäpfe, undefinierte Metallschüsseln,...) oder verändert sich durch das Futternapf-Material sogar der Geschmack des Futters, kann dieses vom Hund abgelehnt werden. Materialien ohne sogenannten "Eigengeschmack" sind zum Beispiel hochwertige Futternäpfe aus Keramik, Porzellan oder Glas.
Auch die Napfhygiene spielt bei Futterverweigerern eine große Rolle. Futterreste, Wasser, aber auch der Speichel des Hundes hinterlassen Spuren am/im Napf, die schnell unhygienisch werden können. Es bilden sich im Nu Bakterien, die den Napf verunreinigen. Wird nicht auf eine ausreichende Napfhygiene geachtet, kann der Hund schon mal weiteres Futter im Napf ablehnen. Es empfiehlt sich daher, Näpfe zweimal täglich gründlich sauber zu machen.

➜ Anerzogene Mäkelei
Oft ist Fressunlust aber auch anerzogen. Wir Menschen neigen dazu, äusserst sensibel darauf zu reagieren, wenn unser Wauzi das Futter verschmäht. Das Ergebnis: das Futter wird solange angepasst oder ausgetauscht, bis unser vierbeiniger Liebling wieder frisst. Der Hund lernt so schnell zu mäkeln. Denn: es könnte ja immer was Besseres nachkommen! Die Folge: der Hund verschmäht bald jedes noch so liebevoll zubereitetes Essen.

Futterunlust

Was kann man aber tun, um seinem Hund die natürliche Lust am Fressen wieder zu lernen?

Mit diesen einfachen Regeln wird Ihr tierischer Suppenkaspar wieder zu schlemmen beginnen:

✓ Halten Sie feste Fütterungszeiten ein!

✓ Lassen Sie Ihrem Hund Zeit zum Fressen - das Futter soll Genuss sein und kein Stress!

✓ Beobachten Sie Ihren Hund nicht beim Essen! Verlassen Sie notfalls den Raum oder überlassen Sie die Fütterung einem anderen Familienmitgelied.

✓ Frisst Ihr Hund seine Mahlzeit nicht innerhalb von 10 Minuten, nehmen Sie ihm das Futter weg und bieten es (gleiches Futter!) etwas später wieder an. Wenn es nicht klappt, lassen Sie einfach eine Mahlzeit auch.
(Keine Sorge, es ist noch kein Hund vor der vollen Futterschüssel verhungert!)

✓ Ersetzen Sie Futter nicht durch Leckerlis oder Essen vom Tisch!

✓ Vermeiden Sie zu häufigen Futterwechsel!

✓ Überdenken Sie das Material des aktuellen Futternapfs!

✓ Geben Sie die neuen Futterrichtlinien auch allen Familienmitgliedern bekannt!

Eine gute (Fr)esskultur ist somit für den Hund oft schon die halbe Miete und führt meistens rasch zum Erfolg.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Freude beim Ausprobieren!
Sollten Sie Fragen zu der Ernährung Ihres Hundes haben, freuen wir uns auf Ihre Nachricht an blog@mrandmrsdog.at.


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