2017-07-18

Warum fressen Hunde Gras?

WARUM FRESSEN HUNDE EIGENTLICH GRAS?

In der Tierernährungsberatungspraxis werde ich oft mit einem sehr pflanzlichen Thema konfrontiert - dem Gras fressen.

Gerade im Frühling und Sommer, wenn Gräser im vollen Saft stehen, sieht man überall Hunde, die sich nach Herzenslust an dem grünen Halmen laben.

Aber warum ist das so? Was steckt hinter der sogenannten Grasen?

Wir haben einige Anworten nachfolgend zusammengefasst:

Bei so manchem Hundehalter klingeln die Alarmglocken, wenn sich sein vierbeiniger Liebling dem munteren Outdoor-Geschmatze hingibt. Verständlich, denn bislang galt Gras fressen als klares Zeichen dafür, dass mit dem Hund etwas nicht stimmt oder sogar eine Krankheit dahintersteckt. Und ja, auch das gibt es. Aber zunächst wollen wir uns oft naheliegenderen Gründen widmen.

Denn viele wissen nicht, dass Grasen bei Hunden durchaus üblich ist. Es zählt zu den natürlichen Verhaltensmustern unserer Fellnasen. Auch beim Urahn unseres Haushundes - dem Wolf - waren Gräser Teil des Speiseplans.

Insbesondere, wenn das leuchtende Grün in vollem Saft ist. Denn dann schmeckt es unseren Lieblingen gleich nochmals so gut und obendrein ist dieses auch noch besonders aromatisch.
Unwiderstehlich ist der süße Geschmack und das regt den Hund ähnlich einem Widerkäuer nach Herzenslust zum Schmatzen an. Sind Hunde gestresst oder aufgewühlt und ihr Blutzuckerspiegel fällt dadurch ab, können die im Gras enthaltenen zuckerähnlichen Stoffe diesen schnell aufbauen und so die Konzentration des Hundes - zum Beispiel im Training - wieder steigen lassen. Obendrein entspannt das Kauen an den Halmen, was wiederum Endorphine freisetzt. Das erklärt mitunter auch den verklärten Hundeblick beim Schmatzen.

Es gibt aber auch Hunde, die Gras fressen, weil sie es einfach einmal ausprobieren wollen (z.B. bei Welpen als Spiel) oder weil ihnen schlichtweg langweilig ist.

Warum Fressen Hunde eigentlich Gras?

Andererseits dient die Aufnahme der Pflanzen aber auch zur Reinigung des Verdauungstrakts. Zum Beispiel, wenn etwas Unverdauliches oder Schädliches abgeschluckt wurde, hilft das scharfkantige Gras dabei, dieses durch quasi provoziertes Erbrechen wieder aus dem Hundekörper hinauszubefördern.

Gras wird vom Hund aber auch gefressen, wenn dieser Verdauungsstörungen hat. Es enthält wertvolle Ballaststoffe, die die Verdauung anregen. Der Hund kann sich so bei Blähungen oder Übelkeit etwas Erleichterung verschaffen.

Die häufige Annahme, dass Hunde fressen Gras, um einen eventuellen Nährstoffmangel auszugleichen, konnte bis heute durch keine Studie belegt werden.

Nichtsdestotrotz sei gesagt: Frisst der Vierbeiner unentwegt Gras über einen längeren Zeitraum und steht dies in Zusammenhang mit laufenden Verdauungsproblemen, sollte man dem unbedingt nachgehen und einen Tierarzt konsultieren. Es empfiehlt sich auch, die Ernährung seines Lieblings genauer unter die Lupe nehmen, da es sei kann, dass diese unzureichend in der Zusammensetzung und/oder der Qualität ist.

Wenn Ihr Hund also zur Spezies "Grasgourmet" gehört, lassen sie ihn das Weiden ruhig genießen!
Achten Sie jedoch darauf, dass der Hund nur unbehandeltes Gras frisst, das frei von Pestiziden, Herbiziden und chemischen Stoffen ist. Gräser, die auf Strassenrändern, Feldhainen und Co wachsen, sollte der Hund besser nicht fressen. Sie enthalten zumeist Schadstoffe oder Düngemittel, die für den Hund gefährlich werden können.
Lassen Sie ihn lieber durchs Gras einer naturbelassenen Wiese streifen und sich dort seinen grünen, saftigen Snack holen!



Zurück zur Listenausgabe